Vorsorge

Sonnenschutz richtig anwenden: Was Ihre Apotheke empfiehlt

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Redaktion ApothekeFinden

Sonnenschutz richtig anwenden: Was Ihre Apotheke empfiehlt

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Die erste Frühlingssonne scheint, alle strömen nach draußen — und am Abend sieht man sie: rote Gesichter, verbrannte Schultern, das Handtuch-Muster auf dem Rücken. Und alle sagen: "Ich hab mich doch eingecremt!"

Das Problem ist meistens nicht, ob man sich eincremt. Sondern wie. Und wieviel. Und wann. Denn bei Sonnenschutz machen erstaunlich viele Menschen erstaunlich viele Dinge falsch.

Was UV-Strahlung mit Ihrer Haut macht

UVB-Strahlen

  • Verursachen Sonnenbrand
  • Dringen in die obere Hautschicht (Epidermis) ein
  • Hauptursache für Hautkrebs
  • Intensität variiert nach Tageszeit und Jahreszeit

UVA-Strahlen

  • Verursachen vorzeitige Hautalterung (Falten, Pigmentflecken)
  • Dringen tiefer ein (bis in die Dermis)
  • Gleichbleibend intensiv das ganze Jahr
  • Durchdringen Glas und Wolken

Guter Sonnenschutz muss gegen beides schützen. Achten Sie auf das UVA-Siegel (Kreis mit "UVA") auf der Packung.

LSF verstehen

Der Lichtschutzfaktor (LSF/SPF) gibt an, wie viel länger Sie mit Sonnenschutz in der Sonne bleiben können, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, verglichen mit ungeschützter Haut.

Hauttyp Eigenschutzzeit Mit LSF 30 Mit LSF 50
Typ I (sehr hell) 5–10 Min 150–300 Min 250–500 Min
Typ II (hell) 10–20 Min 300–600 Min 500–1000 Min
Typ III (mittel) 20–30 Min 600–900 Min 1000–1500 Min
Typ IV (dunkel) 30–45 Min 900–1350 Min 1500–2250 Min

Aber Achtung: Diese Zeiten gelten nur bei korrekter Anwendung — und die sieht in der Realität anders aus als im Labor.

LSF 30 oder 50 — was brauche ich?

  • LSF 30 filtert 97% der UVB-Strahlen
  • LSF 50 filtert 98% der UVB-Strahlen

Der Unterschied ist also nur 1 Prozentpunkt. LSF 30 reicht für die meisten Erwachsenen bei normaler Sonnenexposition. LSF 50 oder höher empfehle ich für:

  • Kinder
  • Sehr helle Hauttypen (Typ I und II)
  • Aufenthalt in großer Höhe oder am Wasser
  • Medikamente, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen (fragen Sie in Ihrer Apotheke!)

Die 5 häufigsten Sonnenschutz-Fehler

Fehler 1: Zu wenig auftragen

Der LSF auf der Packung wird im Labor mit 2 mg pro Quadratzentimeter Haut getestet. In der Praxis tragen die meisten Menschen nur ein Drittel bis die Hälfte davon auf. Das bedeutet: Ihr LSF 30 wird in Wirklichkeit zu einem LSF 10–15.

Faustregel: Für den ganzen Körper brauchen Sie etwa 30–40 ml — das entspricht einem vollen Schnapsglas. Für das Gesicht allein: einen gehäuften Teelöffel.

Fehler 2: Zu spät auftragen

Sonnencreme braucht 20–30 Minuten, um ihre volle Wirkung zu entfalten. "Ich creme mich am Strand ein" ist zu spät — Sie haben auf dem Weg dorthin schon UV-Strahlung abbekommen.

Fehler 3: Nicht nachcremen

"Wasserfest" bedeutet nicht "den ganzen Tag geschützt". Es bedeutet lediglich, dass nach zweimal 20 Minuten im Wasser noch 50% des LSF übrig sind. Sie müssen nach jedem Baden, Schwitzen oder Abtrocknen nachcremen.

Wichtig: Nachcremen verlängert nicht die Schutzzeit — es stellt nur den LSF wieder her. Wenn Ihre Eigenschutzzeit abgelaufen ist, hilft auch kein Nachcremen mehr. Dann: raus aus der Sonne.

Fehler 4: Vergessene Stellen

Die häufigsten Sonnenbrand-Stellen sind die, die man vergisst:

  • Ohren
  • Nacken
  • Fußrücken
  • Handrücken
  • Kopfhaut (bei lichtem Haar)
  • Lippen (Lippenpflegestift mit LSF verwenden!)

Fehler 5: Alte Sonnencreme verwenden

Sonnencreme hat nach Anbruch eine begrenzte Haltbarkeit — meist 12 Monate (Symbol auf der Packung: offener Tiegel mit "12M"). Danach kann der UV-Filter seine Wirkung verlieren. Die Creme vom Vorjahr? Im Zweifel entsorgen und neue kaufen.

Sonnenschutz für Kinder

Kinder unter einem Jahr sollten gar nicht in die direkte Sonne. Punkt. Ihre Haut kann UV-Strahlung noch nicht verarbeiten.

Für Kinder ab einem Jahr:

  • Mineralischer Sonnenschutz (Zinkoxid, Titanoxid) — sanfter zur Kinderhaut
  • Mindestens LSF 50
  • Textiler Sonnenschutz: UV-Schutzkleidung, Hut mit Nackenschutz
  • Mittagssonne meiden (11–15 Uhr)

Sonnenschutz und Medikamente

Manche Medikamente machen die Haut lichtempfindlicher (Photosensibilisierung). Dazu gehören:

  • Bestimmte Antibiotika (Doxycyclin, Ciprofloxacin)
  • Johanniskraut
  • Entzündungshemmer (Ibuprofen, Diclofenac — selten, aber möglich)
  • Bestimmte Blutdrucksenker
  • Retinoide (Vitamin-A-Präparate)

Wenn Sie eines dieser Medikamente nehmen, fragen Sie in Ihrer Apotheke nach. Möglicherweise brauchen Sie einen höheren LSF oder sollten die Sonne ganz meiden.

Fazit

Sonnenschutz ist keine Raketenwissenschaft — aber es gibt ein paar Regeln, die man kennen sollte. Genug auftragen, rechtzeitig auftragen, regelmäßig nachcremen, keine Stellen vergessen. Und im Zweifel in der Apotheke beraten lassen — besonders wenn Sie Medikamente nehmen oder empfindliche Haut haben. Ihre Haut wird es Ihnen in 20 Jahren danken.

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