Impfungen für Erwachsene: Welche Sie wirklich brauchen
Wann haben Sie das letzte Mal in Ihren Impfpass geschaut? Wenn Sie jetzt überlegen, wo der überhaupt liegt — dann geht es Ihnen wie den meisten Erwachsenen. Impfungen sind in unseren Köpfen ein Kinderthema. Kinderarzt, Schuleingangsuntersuchung, Auffrischung mit 15 — und dann? Dann passiert meist: nichts. Jahrzehntelang.
Das ist ein Problem. Denn Impfschutz hält nicht ewig. Und einige Impfungen werden erst im Erwachsenenalter wichtig. Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt für Erwachsene mehr Impfungen, als die meisten denken.
Welche Impfungen Erwachsene brauchen
Tetanus und Diphtherie — alle 10 Jahre
Die wichtigste Auffrischung überhaupt. Tetanus (Wundstarrkrampf) kann bei jeder verschmutzten Wunde auftreten — ein Rosendorn im Garten reicht. Ohne Impfschutz liegt die Sterblichkeit bei 20–50%.
Wann auffrischen? Alle 10 Jahre. Prüfen Sie Ihren Impfpass. Wenn die letzte Impfung länger als 10 Jahre her ist: jetzt nachholen.
Pertussis (Keuchhusten) — einmalig als Erwachsener
Keuchhusten ist nicht nur eine Kinderkrankheit. Erwachsene erkranken oft milder, stecken aber ungeimpfte Säuglinge an — und für die ist Keuchhusten lebensgefährlich.
Empfehlung: Einmalige Auffrischung als Erwachsener, bei der nächsten Tetanus-Auffrischung gleich mit erledigen (Kombinationsimpfstoff).
Grippe (Influenza) — jährlich
Empfohlen für:
- Alle ab 60 Jahren
- Schwangere (ab 2. Trimester)
- Chronisch Kranke (Diabetes, Asthma, Herz-Kreislauf)
- Medizinisches Personal
- Pflegepersonal und Angehörige von Risikopatienten
Die Grippeimpfung wird jährlich angepasst und schützt vor den aktuell zirkulierenden Virusstämmen. Beste Zeit: Oktober bis November.
Gut zu wissen: Seit 2022 dürfen Apotheken in Deutschland Grippeimpfungen durchführen. Kein Arzttermin nötig — einfach in der Apotheke impfen lassen.
Pneumokokken — ab 60
Pneumokokken verursachen Lungenentzündung, Hirnhautentzündung und Blutvergiftung. Für Menschen ab 60 empfiehlt die STIKO eine einmalige Impfung.
COVID-19 — jährlich für Risikogruppen
Die STIKO empfiehlt eine jährliche Auffrischung für Personen ab 60 Jahren, chronisch Kranke und medizinisches Personal. Auch hier können Apotheken impfen.
Gürtelrose (Herpes Zoster) — ab 60
Gürtelrose ist extrem schmerzhaft und kann zu chronischen Nervenschmerzen führen (Post-Zoster-Neuralgie). Empfohlen ab 60, bei Immungeschwächten ab 50. Zwei Impfdosen im Abstand von 2–6 Monaten.
FSME — regional
In Risikogebieten (Bayern, Baden-Württemberg, Teile Hessens und Thüringens) empfohlen für alle, die sich in der Natur aufhalten. Grundimmunisierung mit 3 Dosen, Auffrischung alle 3–5 Jahre.
Der Impfpass — finden und prüfen
Ihr Impfpass ist ein gelbes Heft, das Sie als Kind bekommen haben. Wenn Sie ihn nicht finden:
- Hausarzt fragen: In der Patientenakte sind oft Impfungen dokumentiert
- Apotheke fragen: Manche Apotheken bieten Impfpasschecks an
- Neuen Impfpass ausstellen lassen: Beim Hausarzt. Nachweisbare Impfungen werden übertragen, unklare werden nachgeholt.
Tipp: Seit 2024 gibt es den digitalen Impfpass in der ePA (elektronische Patientenakte). Fragen Sie Ihre Krankenkasse nach dem Zugang.
Impfen in der Apotheke
Seit der Gesetzesänderung dürfen Apotheker bestimmte Schutzimpfungen durchführen:
- Grippe (Influenza)
- COVID-19
- Weitere Impfungen sind in Planung
Der Vorteil: Kein Arzttermin nötig, oft kürzere Wartezeiten, und die Apotheke hat die Impfstoffe direkt vor Ort.
Was Impfungen kosten
Alle von der STIKO empfohlenen Standardimpfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen. Sie zahlen nichts — keinen Cent.
Reiseimpfungen (Hepatitis A/B, Tollwut, Gelbfieber) werden von manchen Kassen bezuschusst oder erstattet. Fragen Sie vorher bei Ihrer Kasse nach.
Fazit
Impfungen sind nicht nur für Kinder. Prüfen Sie Ihren Impfpass, holen Sie fehlende Auffrischungen nach und lassen Sie sich beraten — beim Hausarzt oder direkt in Ihrer Apotheke. Es dauert 15 Minuten und schützt Sie Jahre. Einfacher geht Vorsorge nicht.
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