Medikamente richtig lagern: 7 Tipps für zu Hause
Hand aufs Herz: Wo lagern Sie Ihre Medikamente? Wenn die Antwort "im Badezimmerschrank" lautet, dann machen Sie es wie die meisten Deutschen — und leider falsch. Das Badezimmer ist mit seiner Feuchtigkeit und den Temperaturschwankungen der denkbar schlechteste Ort für Arzneimittel.
Warum ist das wichtig? Weil falsch gelagerte Medikamente ihre Wirkung verlieren können. Im besten Fall wirken sie einfach nicht mehr. Im schlimmsten Fall entstehen Abbauprodukte, die schädlich sind.
Tipp 1: Raus aus dem Badezimmer
Die ideale Lagertemperatur für die meisten Medikamente liegt zwischen 15 und 25 Grad. Im Badezimmer kann es beim Duschen schnell über 30 Grad werden — und die Luftfeuchtigkeit steigt auf 80% und mehr. Beides beschleunigt den Wirkstoffabbau.
Bessere Orte: Schlafzimmer, Flur, Abstellraum. Kühl, trocken, nicht direkt am Fenster (Sonnenlicht).
Tipp 2: Originalverpackung behalten
Die Umverpackung (der Karton) ist kein Marketinginstrument. Sie schützt vor Licht und enthält den Beipackzettel. Werfen Sie den Karton nicht weg — auch nicht aus Platzgründen.
Blisterverpackungen (die Folie mit einzelnen Tabletten) schützen jede Tablette einzeln vor Feuchtigkeit. Brechen Sie Tabletten erst unmittelbar vor der Einnahme aus dem Blister.
Tipp 3: Kühlschrank nur wenn verordnet
"Kühl lagern" auf der Packung bedeutet: Kühlschrank, 2–8 Grad. Das betrifft zum Beispiel:
- Insuline
- Bestimmte Augentropfen
- Manche Antibiotika-Säfte (nach Zubereitung)
- Bestimmte Impfstoffe
Alles andere gehört NICHT in den Kühlschrank. Zu niedrige Temperaturen können Wirkstoffe ebenso schädigen wie zu hohe.
Achtung: Medikamente nie ins Gefrierfach. Einmal gefrorenes Insulin ist unbrauchbar.
Tipp 4: Haltbarkeitsdatum ernst nehmen
Das Haltbarkeitsdatum auf der Packung gilt für ungeöffnete Medikamente bei korrekter Lagerung. Nach Ablauf garantiert der Hersteller nicht mehr für Wirksamkeit und Sicherheit.
Für geöffnete Medikamente gelten kürzere Fristen:
| Darreichungsform | Haltbarkeit nach Anbruch |
|---|---|
| Augentropfen | 4–6 Wochen |
| Nasenspray | 6 Monate |
| Salben/Cremes | 3–12 Monate (steht auf der Packung) |
| Säfte/Tropfen | 3–6 Monate |
| Tabletten/Kapseln (Blister) | Bis zum aufgedruckten Datum |
| Tabletten (Dose) | 6–12 Monate nach Anbruch |
Tipp: Schreiben Sie das Anbruchdatum auf die Packung. Bei Augentropfen besonders wichtig — nach 6 Wochen verkeimen sie.
Tipp 5: Kindersicher aufbewahren
In Deutschland werden jährlich rund 19.000 Vergiftungsfälle bei Kindern gemeldet — Medikamente sind die häufigste Ursache. Lagern Sie Arzneimittel:
- In einem abschließbaren Schrank
- Mindestens 1,50 m hoch
- Nie lose auf dem Nachttisch oder in der Handtasche (Kinder finden alles)
- Bunte Dragees und süße Säfte sind besonders verlockend
Tipp 6: Nicht jedes Medikament darf in die Hitze
Im Sommer kann es im Auto, auf der Fensterbank oder im Briefkasten über 50 Grad heiß werden. Für Medikamente ist das verheerend:
- Zäpfchen schmelzen
- Insuline werden unwirksam
- Pflaster (Fentanyl etc.) können unkontrolliert Wirkstoff abgeben
- Sprays können bei Hitze explodieren (Druckbehälter)
Lassen Sie Medikamente nie im Auto liegen. Bei Reisen: Kühltasche mit Kühlakku, aber ohne direkten Kontakt zum Akku (zu kalt).
Tipp 7: Richtig entsorgen
Abgelaufene oder nicht mehr benötigte Medikamente gehören NICHT:
- In die Toilette (Wirkstoffe gelangen ins Grundwasser)
- In die Badewanne oder das Waschbecken
- In die Hände anderer Personen ("Ich hab da noch was, willst du?")
Richtige Entsorgung:
- Restmülltonne: In den meisten Gemeinden erlaubt. Medikamente in Zeitungspapier einwickeln und tief in den Restmüll geben.
- Apotheke: Viele Apotheken nehmen alte Medikamente kostenlos zurück. Fragen Sie nach.
- Schadstoffsammlung: In manchen Kommunen gibt es spezielle Sammelstellen.
Fazit
Medikamente richtig lagern ist keine Raketenwissenschaft — aber es ist wichtig. Kühl, trocken, dunkel, kindersicher, in der Originalverpackung. Wenn Sie diese sieben Punkte beachten, bleiben Ihre Arzneimittel wirksam und sicher. Und einmal im Jahr den Bestand prüfen — abgelaufenes aussortieren, fehlendes nachkaufen.
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